10. Februar 2011: La Janda: Keine Störche, aber viele Kraniche

 Wieder keine Neuigkeiten von Seiten der Deponiebetreiber. Und morgen ist Freitag, da ist so mancher schon gedanklich im Wochenende. Ich gebe allmählich die Hoffnung auf, in diesem Winter noch einen Blick in die Deponie werfen zu können.

Trotz meines Ärgers mache ich mich am Nachmittag auf den Weg. Herr Pirmin Hilsendegen hatte in einem Kommentar in diesem Forum (siehe hier) berichtet, dass er vor 2 Jahren in der ehemaligen Lagune „La Janda“ zahlreiche Weissstörche gesehen hat. Das Gebiet will ich mir deshalb anschauen.

Weit muss ich dafür nicht fahren. Von Conil aus sind es gerade mal etwa 23 Kilometer nach Südwesten. Die Laguna „La Janda“ liegt in der Niederung des Rio Barbate. Das ehemals ausgedehnte Feuchtgebiet wird seit seiner Entwässerung in den 1960er Jahren intensiv landwirtschaftlich genutzt. Am Rande des Gebiets stehen die grossen Farmen, im topfebenen Zentrum erstrecken sich heute Ackerflächen, die durch schmale Dämme voneinander getrennt sind. Auf diesen Dämmen übernachteten laut der Schilderung von P. Hilsendegen die Störche, und zwischen „La Janda“ und dem nur etwa 25 km entfernten Medina Sidonia herrschte „reger Flugverkehr“.

DSC3439 web

DSC3444 web

DSC3443 web

Mehrere unbefestigte Strassen führen auf breiten Dämmen durch das Gebiet, und so kann ich praktisch jeden Winkel erkunden. Trotz intensiver Suche sehe ich keinen einzigen Weissstorch. Gegen Abend fliegen grosse Scharen von Enten ein und landen auf den Kanälen. Gruppen von teilweise mehr als 100 Kuhreihern versammeln sich auf den Äckern und Dämmen. Trotz des kalten Windes stehe ich draussen und suche mit dem Fernglas die endlosen Flächen sorgfältig ab. Plötzlich, kurz vor Sonnenuntergang, höre ich die unverwechselbaren Rufe von Kranichen. Nicht von einzelnen Vögeln, sondern das müssen riesige Scharen sein.

DSC3450 web

DSC3457 web

Dann sehe ich die Kraniche in grossen Trupps heranziehen, einige in V-Formation, andere in langgezogener Kette. „La Janda“ macht seinem Ruf als wichtiger Rastplatz für Zugvögel alle Ehre. Nur einen Teil, etwa 1000 Kraniche, kann ich zählen, aber immer weitere Trupps fliegen ein, bis zum Einbruch der Dunkelheit. Die Luft ist erfüllt vom Rufen der grossen Vögel, die in die ehemalige Lagune kommen, um auf den Äckern die Nacht zu verbringen.

DSC3466 web

Erst, als es stockfinster ist, verstummen die Rufe. Weissstörche habe ich heute nicht gefunden, aber ein anderes faszinierendes Naturschauspiel erlebt. Und wieder einmal wundere ich mich, wie fest traditionelle Rastplätze während des Zuges im Verhalten der Vögel eingebunden sind – selbst dann, wenn diese im Lauf der Jahrzehnte ihren eigentlichen Charakter längst verloren haben. Zu Beginn des kommenden Winters werde ich diesen Ort wieder besuchen. Vielleicht sind dann auch die Weissstörche da.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Tagebuch abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu 10. Februar 2011: La Janda: Keine Störche, aber viele Kraniche

  1. Hartmut Sauter schreibt:

    Guten Abend Herr Schulz
    Ihre Berichte jeden Tag verfolgen wir mit Spannung.Heute nachmittag gegen 16 Uhr,sind drei große Formationen Kraniche über Frankfurt Richtung Osten gezogen.Wir freuen uns ,daß jetzt so nach und nach die Zugvögel nach ihrer langen Reise wiederkommen.Das sieht doch fast so aus als ob der Frühling vor der Tür steht?

    Viel Erfolg weiterhin für Ihre Arbeit
    Familie Sauter aus Bad Vilbel

  2. Pingback: Update Senderstörche Bruno und Sämi, 3. und 4.10.2011 | SOS Storch – Storchenzug im Wandel

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s