Weissstorchschutz in Schweden: Wohin führt der Weg?

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Am 20. und 21. März habe ich in Bergenhusen in Norddeutschland Emma Adahl, die Leiterin des schwedischen Weissstorchprojekts, und Peter Enggist, den Geschäftsführer von „Storch Schweiz“, zu Gast. Der Zweck unseres Treffens: Gespräche über die Bedeutung der Mülldeponie Montoliu bei Lerida/Spanien und über die Zukunft des schwedischen Weissstorchprojekts.

Von den zwei mit Satellitensendern versehenen Störchen des schwedischen Weissstorch-Projekts zog im Winter 2010/11 einer nach Katalonien und verbrachte den Winter auf der Mülldeponie Montoliu bei Lerida im Norden Spaniens. Emma berichtet über ihren Besuch auf der Deponie im März 2011. Ihre Schilderungen bestätigen, dass die Deponie in den vergangenen Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen hat. Etwa ein Drittel aller beobachteten Störche trug Ringe, auch schweizerische Ringstörche waren offenbar darunter. Das Maximum von Störchen betrug auf der Deponie im März ca. 700 Vögel. Eine genauere Beobachtung der Deponie im Rahmen unseres Projekts scheint somit geboten.

Der Schwerpunkt unserer Diskussionen liegt jedoch auf der Zukunft des schwedischen Weissstorch-Projekts. In Schonen im Süden Schwedens läuft seit vielen Jahren ein Ansiedlungsprojekt nach dem früheren „Schweizerischen Modell“ von Max Bloesch. Emma, die vor etwa 3 Jahren die Leitung des Projekts übernommen hat, möchte aus erster Hand von Peter Enggist erfahren, welche neuen Strategien man inzwischen in der Schweiz verfolgt. Die ausführlichen Gespräche werden von Präsentationen, sowohl von Emma Adahl als auch von Peter Enggist, begleitet.

Seit in Dänemark der Weissstorch als Wildtier faktisch verschwunden ist, stellt sich die Frage, wie mit der nun geografisch isolierten „Population“ in Schweden zukünftig verfahren werden könne. Da auch Emma Adahl das Ziel verfolgt, eine natürlich lebende, vom Menschen unabhängige Weissstorch-Population zu etablieren, herrscht Einigkeit darüber, dass es mittelfristig das Ziel des schwedischen Projekts sein sollte, die Haltung von Störchen in Volieren zu beenden, die Fütterungen einzustellen und den Schwerpunkt auf den Habitatschutz zu legen. Ausserdem wird die Möglichkeiten diskutiert, in Zusammenarbeit zwischen schwedischen und dänischen Storchenschützern und mit Förderung durch die EU grenzübergreifende Habitat- und Storchenschutzprojekte zu realisieren und so die Verbindung zur westlichen „Kernpopulation“ wieder herzustellen.

Peter Enggist bietet Emma die Hilfe und Unterstützung von „Storch Schweiz“ beim „Umbau“ des schwedischen Weissstorchprojekts an und lädt die Biologin zum Erfahrungsaustausch in die Schweiz ein. Der vorgeschlagene Termin am Rande der Vorstandssitzung von „Storch Schweiz“ im April dieses Jahres ist wahrscheinlich zu kurzfristig. Weitere Diskussionen sind trotzdem von allen Beteiligten gewünscht und sollen möglichst möglichst zeitnah stattfinden. Die in angenehmer Atmosphäre und freundschaftlich geführten Gespräche legen die Grundlage für eine fruchtbare und erfolgversprechende Zusammenarbeit zwischen schweizerischen, schwedischen und deutschen Storchenschützern.

>> Zeitungsartikel aus dem Jahr 2009 über Emma Adahl und das schwedische Weissstorchprojekt

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