4. Februar 2011: Wo, bitte, geht’s zur Laguna de Jeli?

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Irrfahrt durch die hügelige Agrarlandschaft Andalusiens. In der Laguna de Jeli könnte der Schlafplatz der Störche aus der Mülldeponie Medina Sidonia liegen. Aber wo, bitte, geht’s zur Lagune? Was auf den Karten im Internet so einfach aussah, entpuppt sich als ein schwieriges Puzzle. Hier mal kurz reinschaun, dort mal probieren, alle Versuche, weiterzukommen, enden an einem Schild „Prohibido el paso“ oder an einem Stacheldrahtzaun. Es dauert, bis wir endlich das Ziel erreichen.

Angefangen hatte die Odyssee mit einem Kommentar unseres Kollegen Gert Dahms in diesem Internetblog. „Wenn nicht Laguna de Commissario, dann Laguna de Jeli“, hatte er, gewohnt knapp, geschrieben. Die Nachricht erreicht mich am frühen Nachmittag. Mit meinem Auto stehe ich am Playa de Palmar. Bei Kaiserwetter mit 19 Grad und Windstille war mir der Campingplatz doch zu öde. Knapp vor mir beginnt der Strand, weiter hinten tosen die Wellen des Atlantik: So lässt sich „Büroarbeit“ aushalten. Laguna de Jeli? Ich schaue im Internet nach und finde auch bald die Koordinaten.

Das GPS-Gerät ist schnell mit den Daten gefüttert, und dann fahren Daniel und ich los. Etwa 4 Kilometer westlich von Chiclana wollen wir von der Schnellstrasse nach Medina Sidonia auf einen Feldweg abbiegen. Ein Tor, verschlossen mit dicker Kette und Vorhängeschloss, macht uns jedoch einen Strich durch die Rechnung. An der nächsten, nicht verschlossenen Möglichkeit versuchen wir es erneut. Diese Schotterstrasse ist übersät von bis zu 40 cm tiefen Löchern, so dass wir nur im Schritttempo vorankommen. Ein Offroad-Biker am Strassenrand, der gerade seine Mittagspause hält, gibt Daniel bereitwillig Auskunft. Die Laguna de Jeli kennt er zwar nicht, aber er empfiehlt uns, zur „Laguna de Montellano“ zu fahren. Die liege etwa dort, wo wir hinwollen. Danke und tschüss, das hilft uns nicht wirklich, wir setzen unsere Suche fort.

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Also zurück zur Hauptstrasse und weiter gesucht. Beim vierten Anlauf finden wir endlich eine befahrbare Privatstrasse, die in Richtung unseres Ziels verläuft. Das grosse, eiserne Tor an ihrem Anfang ist weit geöffnet. Einige Kilometer weit folgen wir der Piste, und das GPS-Gerät zeigt, dass wir uns der Lagune nähern. Dann endlich, am Ende eines weiteren, kleinen Feldwegs, liegt das Ziel vor uns: In einer Senke inmitten riesiger, gepflügter Äcker funkelt in der tiefstehenden Sonne der kleine, blaue See. Hunderte Blässhühner schwimmen auf dem ruhigen Wasser, mehrere Kolben- und Löffelenten kann ich erkennen, und sogar ein Paar der seltenen Weisskopfruderenten zieht seine Bahnen. Ein faszinierender, fast unwirklicher Ort, wie eine Oase in der Wüste der Agrarlandschaft. Schnell bauen wir Fernrohr und Filmkamera auf und warten auf die Ankunft der Störche.

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Etwa um 19 Uhr erscheinen am Horizont tatsächlich die ersten Storchentrupps. Etwas nördlich der Lagune kreisen sie in der Thermik und kommen langsam tiefer. Schliesslich landen sie. Aber nicht etwa in unserem See, sondern 2-3 Kilometer dahinter. Das Spiel wiederholt sich mit jedem neu ankommenden Trupp, und als es gegen 19:45 Uhr dunkel wird, ist noch immer kein einziger Storch in der Laguna de Jeli gelandet. Ein genauer Blick in die Karten zeigt uns, dass der Motorradfahrer wohl doch richtig lag: 2 Kilometer nördlich der Laguna de Jeli liegt nämlich tatsächlich die Laguna de Montellano. In diesem Jahr gefällt es den Störchen dort wohl besser. Gerd Dahms lag zwar knapp daneben mit seinem Tipp – aber eben nur knapp, und ohne seinen Hinweis wüssten wir jetzt nicht, wo wir die Störche finden.

Als wir in stockdunkler Nacht zurück zur Hauptstrasse fahren, sind wir überzeugt: Morgen werden wir die Störche am Schlafplatz sehen. Etwas anderes können wir ohnehin nicht tun, denn am Samstag sind Deponien und Büros geschlossen. An der Ausfahrt aus dem Gelände der Finca auf die öffentliche Hauptstrasse ist uns der Weg dann noch einmal versperrt: Das grosse Tor hat der Bauer inzwischen verschlossen. Aber bald ist auch diese Hürde genommen, und wir sind auf dem Weg zurück nach Conil.

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