3. März 2011: SEO als spanischer Projektpartner

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Seit 1994 kenne ich Ramón Martí von der Spanischen Ornithologen-Gesellschaft SEO. Ich habe damals als Mitarbeiter des NABU (Naturschutzbund Deutschland) den Internationalen Weissstorchzensus 1994 organisiert, und Ramón hat die nationale spanische Zählung koordiniert. Eine gewaltige Aufgabe, damals wie heute, angesichts der vielen Storchenpaare, die in Spanien brüten. Diesmal hat mir Ramón, der sich trotz neuer Arbeitsschwerpunkte bei der SEO noch immer sehr für den Weissstorchschutz engagiert, ein Gespräch mit der SEO ermöglicht. Und so sitze ich heute Nachmittag in Madrid mit den für Weissstorchschutz, Zensusarbeit und Mülldeponien zuständigen SEO-Mitarbeitern zusammen, um Möglichkeiten der Zusammenarbeit in unserem Projekt „SOS Storch“ zu erkunden.

Juan Carlos del Moral ist verantwortlich für die Bestanderfassungen von Vogelarten in Spanien und wird auch den nächsten spanischen Weissstorchzensus organisieren. Blas Molina Villarino ist zuständig für Untersuchungen und Schutz von Vogelarten. Und Javier de la Fuente hat als einen seiner Arbeitsschwerpunkte den Schutz des Mönchsgeiers. Ramón Martí schliesslich koordiniert die Arbeit der regionalen SEO-Gruppen in den verschiedenen Regionen Spaniens.

Als ich Ziele und Vorgehensweise unseres Projekts „SOS Storch – Storchenzug im Wandel“ vorstelle, sind die SEO-Fachleute erst mal nicht sonderlich beeindruckt. Aus verständlichen Gründen, denn Weissstörche gehören nun mal nicht zu den Schwerpunktarten der Arbeit der SEO: Der Storchenbestand in Spanien ist definitiv nicht gefährdet, zahlreiche andere Arten dagegen benötigen wesentlich dringender Schutz und Aufmerksamkeit. Im weiteren Verlauf der Gespräche jedoch kristallisiert sich heraus, dass der Weissstorch als Flaggschiff für den Biotopschutz auch in Spanien relevant ist, dass unsere Fragestellungen für die Erhaltung des Weisstorchs als Art insgesamt bedeutsam sind, und dass Spanien eine Schlüsselfunktion für die Erhaltung des Storchs als vom Menschen unabhängiges Wildtier inne hat.

Vor diesem Hintergrund beschliessen die Fachleute der SEO, ihrem Vorstand vorzuschlagen, unser Projekt als Partner zu unterstützen. Eine Rolle spielt dabei auch die Tatsache, dass durch die sich ändernden Verhältnisse auf den Deponien auch in Spanien gefährdete Arten betroffen sind (Geier, Milane usw.). Für das Projekt von „Storch Schweiz“ bedeutet die Rückendeckung und Unterstützung durch den grössten spanischen Vogelschutzverband eine entscheidende Hilfe für die Arbeit vor Ort. Durch die Zusammenarbeit gewinnt unser Projekt in Spanien und international an Glaubwürdigkeit und Gewicht.

Nun müssen konkrete Schritte der Zusammenarbeit abgestimmt werden. Die SEO bietet an, uns mit ihrem weitgefächerten Netz von Mitarbeitern bei Kontakten zu Behörden, Deponiebetreibern und lokalen Einrichtungen zu unterstützen. Darüber hinaus wird die SEO sich aktiv an Zählungen auf den Deponien und anderen praktischen Arbeiten beteiligen. Zur Vorbereitung dieser Zusammenarbeit wird „Storch Schweiz“ der SEO eine detaillierte Projektbeschreibung und eine Liste der benötigten Hilfe bei der Feldarbeit übermitteln. Voraussetzung für das Funktionieren der Partnerschaft ist weiterhin ein regelmässiger Austausch von Informationen. Das Blog bzw. die Internetseite unseres Projekts soll zur nächsten Feldsaison mehrsprachig werden, darunter Spanisch, damit auch Ornithologen aus Spanien und anderen Ländern es lesen und sich darin äußern können. Ausserdem muss die Zusammenarbeit im Blog entsprechend deutlich werden.

Im Lauf des Gesprächs in Madrid ergeben sich zahlreiche gemeinsame Ansatzpunkte, auch Themen, die nicht direkt mit den Mülldeponien im Zusammenhang stehen. Der massive Ausbau der Windenergie in Spanien beispielsweise ist ein wichtiges Thema für die SEO: 2 Mitarbeiter sind alleine mit der Prüfung und ggf. Abwehr immer neuer Pläne für solche Anlagen beschäftigt. Für zahlreiche Vogelarten haben die SEO-Experten bereits deutliche Gefährdungen durch falsch platzierte Windkraftanlagen dokumentiert.

Als ich nach dem 1 1/2-stündigen intensiven Gespräch bei der SEO in Madrid meine Heimreise fortsetze, bin ich überzeugt, dass uns die neue Partnerschaft einen grossen Schritt voranbringen wird. Die Anbahnung enger Kontakte mit anderen Birdlife-Partnern in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden sollte deshalb noch vor der nächsten Feldsaison in Spanien erfolgen. Dem ursprünglichen Ziel unseres Projekts, die Problematik des veränderten Zugverhaltens in internationaler Zusammenarbeit anzugehen, kommen wir damit erheblich näher.

Erst gegen Mitternacht erreiche ich nach anstrengender Reise durch Schneeregen bei Minustemperaturen und auf stundenlanger Fahrt durch Autobahnbaustellen mein heutiges Etappenziel Zaragoza. Von hier aus ist es nicht mehr weit zum letzten „Zwischenstop“ vor der endgültigen Heimreise: Morgen werde ich der Deponie bei Lerida einen Besuch abstatten, die inzwischen offenbar im Vergleich zu unseren Ergebnissen aus dem Projekt „SOS Storch“ in den Jahren 2000 und 2001 für die Westzieher erheblich an Bedeutung gewonnen hat.

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