26. Januar 2011: Seit heute bei Medina Sidonia

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Nur hundert Kilometer südlich von Dos Hermanas, in der Nähe der Stadt Medina Sidonia, liegt die zweite grosse Deponie von Andalusien. Wie es dort inzwischen aussieht, das will ich heute erfahren. Zuerst mal bin ich mächtig erstaunt. Es hat sich einiges getan in der Mülldeponie von Medina Sidonia.

Wo die Lkw sich vor 10 Jahren über eine staubige Piste plagen mussten, um ihren Müll los zu werden, führt heute eine neue Asphaltstrasse durch die Olivenhaine. Mehrere Kilometer weit, und offensichtlich speziell gebaut für die Deponie, an der sie auch endet. Die Mittelspannungsmasten, die entlang der Strasse verlaufen, sind an den Traversen mit Vogelabweisern versehen. Nicht ohne Grund, denn beim Vorbeifahren sehe ich trotzdem unter einem der Masten einen Storchenkadaver liegen.

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Auch an der Anlage selbst hat sich einiges verändert. Am Eingang kein Schild „Fotografieren verboten“ wie in Dos Hermanas, sondern Sicherheitshinweise für jeden, der die Anlage betritt. Eine Überwachungskamera hat zwar den Eingangsbereich im Blick, aber weder Stacheldraht noch missgelaunte Wächter kann ich hier sehen. Eine grosse Hinweistafel macht deutlich, dass es sich bei der Deponie um eine „Anlage zur Behandlung fester Abfallstoffe“ handelt – erbaut mit finanzieller Unterstützung der EU. Moderne Hallen und grosse Silos oder Fermenter vermitteln das Bild eines modernen Betriebs, in dem Müll nicht einfach deponiert, sondern vorab sortiert wird. Im Abstand von einigen Minuten kommen schwer beladene Laster an oder verlassen leer die Deponie. Ich stehe dabei nur etwa 100 Meter vor dem Eingang und fotografiere mit dem Teleobjektiv, aber anscheinend fühlt sich niemand dadurch gestört.

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Über dem vorderen Teil der Deponie, dessen „Luftraum“ ich ungehindert einsehen kann, fliegen Tausende Möwen. Störche sind an dieser Stelle nur wenige zu sehen. Mehr als Hundert waren es wohl nicht, die ich in einer Stunde zählen konnte. Was sich weiter hinten auf der Deponie, für mich nicht einsehbar, abspielt, bleibt weiter im Dunkeln.

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Erstaunlicherweise fahren alle LKW, die während meiner Anwesenheit eintreffen, nicht etwa zu den Hallen oder anderen Vorrichtungen, sondern direkt auf die grosse Halde. Aus verschiedenen Richtungen kommen sofort neben den Möwen auch Weissstörche angeflogen, landen teilweise sogar auf den offenen Ladeflächen und beginnen, im Müll zu stochern. Was sie dort finden, das kann ich nicht erkennen. Aber die folgende Beobachtung lässt mich vermuten, dass es nicht hauptsächlich organischer Müll ist, der dort oben abgeladen wird: Ein Storch fliegt mit einem grösseren „Gegenstand“ im Schnabel von einem der Lkw auf und wird sofort von mehreren Möwen verfolgt und attackiert. Erst, als er seine „Beute“ schliesslich fallen lässt, wenden sich die Schmarotzer wieder von ihm ab. Dieser ausgeprägte „Futterneid“ der Möwen spricht eher dafür, dass im auf der Halde deponierten Müll nur noch vereinzelt Fressbares zu finden ist.

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Ich verzichte darauf, schon jetzt zu versuchen, die Deponie betreten zu dürfen. Die Chancen sind sicher besser, wenn Daniel Schedler mit seinen Spanischkenntnissen mich bei meinem nächsten Besuch an die Deponie begleitet. Bei der Rückfahrt zur Hauptstrasse versuche ich, auf den vorbei fahrenden Mülltransportern zu erkennen, welche Fracht sie transportieren – ohne Erfolg, wie sich denken lässt, denn dazu müsste ich von oben in die Ladeflächen schauen können. Auch in Medina Sidonia wird wohl nur ein Gespräch mit den Deponiebetreibern und ein Besuch oben auf der Halde dazu führen, dass wir erfahren, wie mit dem Müll hier tatsächlich umgegangen wird.

Die Nacht verbringe ich heute auf einem Campingplatz in Cunil de la Frontera, etwa 30 Kilometer südlich der Deponie. Zwar ist es seit heute etwas wärmer und der Wind ist schwächer geworden, aber dafür hat anhaltender Regen, zeitweise sogar Hagel, eingesetzt. Was das Wetter angeht, werde ich bisher auf dieser Tour definitiv nicht verwöhnt.

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