7. Februar 2011: Der Heimzug schreitet zügig voran …

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Störche im Thermikflug – das ist heute das prägende Bild bei der Deponie Medina Sidonia. Als ich am frühen Nachmittag dort ankomme, rührt sich zuerst mal gar nichts. Immer häufiger jedoch kann ich in grosser Höhe segelnde Störche erkennen. Die Richtung, in der sie dann die Thermik verlassen und abziehen, fast exakt nach Norden, spricht klar für die Heimreise in die Brutgebiete.

Meine Feldarbeit an den Störchen beginne ich heute mit der Suche nach alternativen Nahrungsgebieten zwischen den Hügeln im Umfeld der Deponie. Viele Storchenbeobachter verirren  sich dort sicher nicht hin. Diese abgelegenen Gebiete sind nur durch Lehmpisten zu erreichen, die teilweise in katastrophalem Zustand sind. Viel Weideland finde ich vor, das zumindest für ortsansässige Brutstörche als Nahrungsgebiet eine Alternative zur Mülldeponie wäre. Ich sehe jedoch keinen einzigen Storch. Die Deponie bietet wohl wirklich noch immer die attraktivste Nahrungsressource in der Region.

Am frühen Nachmittag kann ich aus grosser Entfernung über der Deponie einen Trupp Störche, in der Thermik segelnd, beobachten. Die Vögel schrauben sich weit empor, und ich verliere sie dann aus den Augen. Gegen 15 Uhr bin ich an der Deponie. Fast keine LKWs sind auf der Westseite der Anlage zu sehen, es scheint, als sei dieser Teil der Deponie heute geschlossen. Auch Möwen und Störche zeigen sich nur in geringer Zahl.

Dann steigen plötzlich Störche auf. Zuerst nur etwa 10, aber weitere gesellen sich schnell dazu. Schliesslich kreist ein Trupp von etwa 100 Störchen über der Deponie und lässt sich von der Thermik in grosse Höhe tragen. Mit dem blossen Auge sind die Vögel kaum noch zu erkennen. Schliesslich gehen sie in den Gleitflug über und verschwinden in langer Kette sehr schnell, ohne Flügelschlag, genau nach Norden. Eine zweite Gruppe formiert sich über der Deponie, landet jedoch, als sich eine Wolke vor die Sonne schiebt, wieder im Müll. Mehrfach kann ich beobachten, dass Störche zwar in einer Thermik beginnen, einen Trupp zu bilden, dann aber, wegen bedeckter Sonne, wieder am Boden landen. Heute weht ein zwar nicht starker, aber kühler Westwind, und der Himmel ist lückig von Quellbewölkung bedeckt. Wahrscheinlich lassen diese Wetterverhältnisse jeweils nur kurzfristig, bei lückenloser Sonneneinstrahlung, eine stabile Thermik entstehen.

Um 16:20 Uhr sammelt sich erneut ein kleiner Trupp von 30 Störchen. Sehr schnell schrauben sich die Vögel empor und gleiten dann nach Norden davon. Zwischen dem ersten Zusammentreffen der Vögel bis zum Gleitflug vergingen nicht mehr als 8 bis 10 Minuten.

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Um 16:50 bilden sich drei Thermiksäulen aus etwa 80, 30 und 50 Störchen. Diese vereinen sich dann während des Thermiksegelns zu einem Trupp und gehen in nördlicher Richtung in den Gleitflug. Die Entstehung der „Reisegruppen“ geht fast unbemerkt vor sich. Einzelne Vögel fliegen in der Deponie auf, beginnen zu segeln, andere stossen dazu. In kurzer Zeit bilden sich grosse Gruppen, die kreisförmig in den Aufwinden segeln. Haben die Vögel erst mal mit dem Gleitflug begonnen, dann sind sie nach wenigen Minuten ausser Sicht. Den gemeinsamen Abflug eines Trupps vom Boden bis zum Segeln in der Thermik, wie ich das aus Afrika kenne, konnte ich hier heute nicht beobachten.

Der Heimzug schreitet offensichtlich fort. Falls die derzeitige Witterung anhält, kann ich mir vorstellen, dass bis Mitte Februar ein Grossteil der ziehenden „Müllstörche“ die Heimreise angetreten hat. Einheimische und Jungstörche werden vermutlich auch in den kommenden Monaten die Müllkippe frequentieren. Etwa um 17:30 Uhr breche ich meine Beobachtungen ab und fahre zurück zum Campingplatz in Conil de la Frontera.

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Auch Daniel Schedler und seine Familie befinden sich inzwischen auf dem „Heimzug“. Nach 7 Wochen Ferien, auf die die 6-köpfige Familie (bzw. 7-köpfig mit Hund) sich seit Jahren gefreut hat, zieht es sie immer noch nicht nach Hause. Aber was hilfts, die Arbeit in der Schweiz wartet, und so werden heute vormittag im wahrsten Sinne des Wortes die Zelte abgebrochen. Erstaunlich, was alles in so einen VW-Bus passt, der dann auf der Heimreise auch noch als Nachtquartier dient. Dass Daniel, trotz Familienurlaub, sich so viel Zeit genommen hat, mich bei der Arbeit zu unterstützen, war nicht selbstverständlich. Ihm danke ich für seine Hilfe und die nette Begleitung während der Feldfahrten und Exkursionen zu den Störchen. Seiner Frau Manu und seinen Kindern sage ich Danke für das Verständnis, mit dem sie Daniels oft längere Abwesenheit akzeptiert haben. Gute Reise, und kommt gesund an in der Schweiz.

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