17. Februar 2011: Ringablesungen auf Fotos von der Deponie

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Heute bin ich wieder auf der Deponie. Das Wetter ist nicht optimal, es weht ein starker, kalter Wind. Aber zumindest scheint die Sonne, und es bleibt weitgehend trocken. Auch diesmal wieder bin ich fasziniert von dem Treiben im Müll. Möwengeschrei, Storchengeklapper und ständige Bewegung. Richtig was los ist da oben, und entsprechend schwer fällt es, zu wissen, wo man zuerst hinschauen soll. Die Kamera klickt am laufenden Band, und heute Abend, bei der Durchsicht der Bilder, kann ich sogar mehrere Ringe ablesen. Aus Fotos, wie dem oben gezeigten, in dem der Ring am Bein des fliegenden Vogels gelesen wurde.

Das Chaos, das auf der Deponie herrscht, lässt sich kaum beschreiben. Die Vögel stehen offenbar unter Stress, wahrscheinlich aufgrund der hohen Dichte von Individuen auf engstem Raum. Aggressives Verhalten zwischen einzelnen Störchen lässt sich fast ständig beobachten. Nur, wenn ein LKW mit „frischem“ Müll ankommt, sind die Streitereien für kurze Zeit vergessen. Viele Störche sind verletzt, vor allem an den Beinen. Manchen hängt am Bein eine Plastiktüte, und einige stehen apatisch, wie krank, in der Gruppe. Einen Eindruck von der Szenerie vermittelt vielleicht die folgende Fotoauswahl:

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Bei der Durchsicht der Fotos kann ich zahlreiche Störche mit Ringen erkennen. Bei 6 Vögeln ist es möglich, die Ringe abzulesen, wenn auch teilweise nicht mit völliger Sicherheit. Im folgenden sind die abgelesenen Ringe aufgelistet, danach zeigen Fotos die Ringe. Vielleicht können die Ablese-Experten unter den Lesern schon anhand der Ringtypen einiges zur Herkunft der Vögel sagen. Für entsprechende Anmerkungen in den Kommentaren zu diesem Beitrag wäre ich dankbar.

Abgelesene Ringe:

ELSA-Ring:
AE 606 (rechts oben).

Hohe, weisse Plastikringe:
A4HW (links oben).
C7SC (links oben).
863A oder 883A (rechts oben).
A4X3 (links oben).

Grüner Ring:
6I37 (links oben).

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Bis um 17:30 Uhr halte ich mich auf der Deponie auf. Der starke Wind wirbelt Staub aus dem Müll, dem man nicht entgehen kann. Der unangenehme Geruch setzt sich in die Nase, und selbst im Mund meint man die Verwesung zu spüren. Mit einem kräftigen Schluck Rotwein zum Abendessen kann ich meine Geruchs- und Geschmackssinne wieder beruhigen.

Am Abend merke ich, dass unsere Internetseite, obwohl noch mit eher bescheidenen Zugriffszahlen, sich so entwickelt wie geplant. Immer mehr Leser äußern sich in Kommentaren, es entstehen Diskussionen, und ein Fundus von Informationen baut sich auf. Noch beteiligen sich nur deutschsprachige Leser an der Zusammenarbeit, da die spanisch- und französischsprachigen Seiten noch fehlen. Ein internationaler Ausbau des Projekt-Blogs wird eine Herausforderung für die Zukunft des Projekts sein.

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16 Antworten zu 17. Februar 2011: Ringablesungen auf Fotos von der Deponie

  1. Jörg Heyna schreibt:

    Holger, AE606 muss Vogelwarte Radolfzell sein:
    Deutschland (Radolfzell)
    EURING Code Zentrale DER
    Kleine Beschriftung please inform: Vogelwarte, 78315 Radolfzell,
    Germany. http://www.ring.ac ring@orn.mpg.de
    Hergestellte Ringe A1000 – A999, AE000 – AE999, AF…, AH, AJ000 – AJ700

    Gruß, Jörg.

    • Holger Schulz schreibt:

      Danke Dir, Jörg, für die Nachricht und auch für die zusätzlichen Infos über Storchenringe allgemein. Wir werden die Ringnummern an die zuständigen Beringungszentralen weiterleiten. Bezüglich des grünen Rings hast Du keine Idee? Ich bin mir nicht mal sicher, ob der zweite Buchstabe ein I oder einfach ein senkrechter Trennstrich sein soll.

      Ist eigentlich schade, dass sich die Länder da nicht auf eine einheitliche Codierung einigen können. Respekt vor Euch Ablesern, das ist zuweilen sicher eine richtige Detektivarbeit.

      Gruss
      Holger

  2. Margrith Enggist schreibt:

    Lieber Holger
    Die Spannung steigt!! Die Tage auf den Mülldeponien sind mit Sicherheit kein Honigschlecken, aber die Ergebnisse sind einerseits fasziniernedn, aber andererseits macht es auch traurig, wenn man sieht welche Gefahren auf den Mülldeponien lauern.
    Deine Ringablesungen habe ich an die Schweiz. Vogelwarte weitergeleitet und darum gebeten, dass die Rückmeldungen an dich direkt geschickt werden.
    Ich habe auch ein bisschen recherniert, der AE606 ist sicher ein deutscher Storch (Ring Vogelwarte Radolfzell), die Störche mit den hohen Ringen sind mit grösster Wahrscheinlichkeit aus Frankreich (Elsass), aber genau sagen ich ich es leider nicht. Ich habe sie auch an Gérard Wey weitergeleitet, in der Hoffnung, dass wir bald eine Rückmeldung bekommen.
    Ich freue mich schon auf deinen nächsten Beitrag.
    Bis bald und liebe Grüsse Margrith

    • Holger Schulz schreibt:

      Liebe Margrith,

      Danke, das ging ja schnell. Nun bin ich gespannt auf die Rückmeldungen, die ich dann natürlich auch umgehend im Blog veröffentlichen werde.
      Irgendwie mag meine Nase den Deponiegruch nicht. Heute Abend war mir richtig übel. Neue Ringablesungen habe ich bisher nicht, Aber den Radolfzeller ELSA-Ring habe ch wieder gesehen.

      Schönen Abend noch und viele Grüsse
      Holger

  3. Jörg Heyna schreibt:

    Holger,
    unter http://ciconiafrance.free.fr/cigcigangl.html
    kann man sich in einer 110 seitigen Liste die Codierungen ansehen, allerdings ist A4HW + A4X3 nicht bei. Die sind wohl sehr neu und hier scheinbar noch nicht eingepflegt. Ob C7SC auch dazu gehört ?
    Auch unter http://www.cr-birding.be/ und dann herunterscrollen zu „whitestork“ sind Info`s.
    Gruß, Jörg.

    • Holger Schulz schreibt:

      Wow, Jörg, Du bist ja ein wandelndes Lexikon, was Storchenberingung angeht. Vielen Dank für die wertvollen Links.
      Schöne Grüße
      Holger

  4. Andreas Tebbe Möselerhook 171 schreibt:

    Hallo Herr Schulz ,

    wir haben einen Storchenmasten aufgestellt und im letzten Jahr (2010) das erstemal 3 Junge Störche flügge bekommen . Der Älteste mit der Ringnummer 7×342 ist am 12.08.2o10 abgereist und am 04.09.2010 in Leida ( Spanien von einem Herrn Adam Thomas ) abgelesen worden. Die zwei anderen ( 7×343 u. 7×344) sind am 16.08.2010 abgereist. Ist in der Nähe von Leida auch eine Mülldeponie und kennen Sie eventuell Hr. Thomas aus Spanien? Oder haben Sie vieleicht die drei Ringnummern schon bei Ihnen gesehen? Um eine Antwort würde ich mich sehr freuen. MfG Andreas Tebbe

    • Holger Schulz schreibt:

      Guten Tag, Herr Tebbe,

      Bei Lerida (katalonisch Lleida) gibt es auch eine Deponie. Ganz in der Nähe dort ist einer unserer Senderstörche im Jahr 2001 an einer Freileitung verunglückt.
      Nein, die drei Ringnummern habe ich bisher nicht gesehen. Lediglich die 6, die im gestrigen Tagebuch stehen. Allerdings bin ich auch erst recht spät im Jahr auf die Deponie gekommen. Da waren viele Störche wahrscheinlich schon auf dem Heimzug.

      Schöne Grüße aus Andalusien
      Holger Schulz

  5. Jörg Heyna schreibt:

    Holger, C7SC ist ein Spanier.

    • Holger Schulz schreibt:

      Danke Jorf, für Deine rege Beteiligung und Unterstützung hier im Blog. Wundert mich, dass ich gestern nicht mehr Spanier ablesen konnte.

      Heute habe ich den ELSA-Ring wiedergesehen. Sonst keine neuen Ablesungen.

      Lass es Dir gut gehen im verschneiten Norden.
      holger

    • Holger Schulz schreibt:

      Danke, Jörg!
      Gruß
      Holger

  6. Birgit Kremer schreibt:

    Hallo Herr Schulz,

    eine Freundin hat mich gestern auf Ihre spannende Seite und die Berichte von Spaniens Mülldeponien hingewiesen. Ich kann Ihre Schilderungen sehr gut nachempfinden, denn ich selbst fahre auch häufig zur Müllhalde von Los Barrios. Zu den Störchen werden sich dort auch bald Aberhunderte von Schwarzmilanen gesellen. Die ersten sind schon aus Afrika eingetroffen. Natürlich sind diese MacMülls nicht genau das, was man sich für die Vögel wünscht, aber auf ihrer langen Reise sind sie ein wichtiger Zwischenstopp, um neue Kräfte zu tanken. – Und die Bruterfolge sind in Spanien dort besonders gross, wo eine Mülldeponie in der Nähe ist und es somit nie an Futter fehlt.

    Und ich bin inzwischen schon soweit, dass ich den Geruch kaum noch bemerke und sogar direkt neben der Müllhalde mein Picknick mache! 🙂

    Herzliche Grüsse und weiterhin viel Erfolg
    Birgit Kremer

  7. uwe seidel schreibt:

    Hallo Herr Schulz,
    wenn ich den Elsaring richtig deute , ist es ein Radolfzeller für DER mit der nr. A8922
    Mit freundlichen Grüßen
    Uwe Seidel

    ( unser beringter Weißstorch ist seit gestern wieder auf dem heimatlichen Horst
    gelandet und wird vermutlich für 4-6 Wochen der einzige Weißstorch in der näheren
    Umgebung bleiben …
    kann mir nach dem Streß auf den Müllkippen gut vorstellen, daß Ihm die Ruhe und Einsamkeit für die nächste zeit nichts ausmacht …
    Vielen dank für’s berichten

  8. Beat Huggenberger schreibt:

    Grüetzi Herr Schulz
    wenn man sich mit „nserem“ Senderstorch Düschess auseinandersetzt, surft man immer wieder voller Neugier auf den unterschiedlichsten Seiten.
    Dabei bin ich auf die Seitrw von Birgit Kremer gestossen, welche Ihnen auch schon geschrieben hat. Auf der Seite
    http://www.iberia-natur.com/weissstorch/Weissstorch%20mit%20Ringnummer%201%2000.html beschreibt und zeigt sie einen Storch mit einer ähnlichen, grünen Nummer wie die von Ihnen oben abgebildete 6¦37. Dort geht es um eine spanischen Storch. Vielleicht hilft das weiter.
    Ansonsten; vielen Dank für Ihre spannenden Berichte und Ihren Einsatz für die Schweizer Senderstörche Bruno, Dani, Düschess, Amelios und Sämi. Ich bin gespannt wohin es diese 2011er Jungstörche zieht.
    mfg
    Beat Huggenberger

    • Holger Schulz schreibt:

      Danke, Herr Huggenberger.
      Ja, die grünen Ringe stammen aus Spanien, die Vögel wurden von der Beringungszentrale im Nationalpark Coto de Donana beringt.
      Ich hoffe heute auf neue Daten von unseren Störchen Bruno und Dani. Ab morgen mittag könnten die neuen Positionsdaten von Düschess und Amelios eintreffen, und am späten Abend schließlich auch Sämi.
      Schöne Grüße
      Holger Schulz.

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